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James JoyceUlysses – Kommentierte AusgabeErstveröffentlichung: 1922 (Ulysses) |
Am 16. Juni des Jahres 1904, dem Tag, an dem er zum ersten Mal seine Freundin Nora ausführte, lässt James Joyce den Anzeigenvertreter Leopold Bloom (‘Die Irish Times ist die mit Abstand beste Zeitung für Kleinanzeigen’) und den aus seinem Roman ‘Porträt des Künstlers als junger Mann’ bekannten Stephen Dedalus zu einer Odyssee durch Dublin aufbrechen, seit 1922 nachzulesen auf rund tausend Seiten Ulysses. Die Wege, auf denen der Leser sie bei der Arbeit, ihren Gesprächen, Gedanken und Erinnerungen verfolgt, lassen sich minutiös nachvollziehen, bis hin zum Besuch des Bordellviertels, das damals zu den größten Europas gehörte.
Schwere Literatur sagt der eine (was dem Gewicht des Buches angemessen ist), völlig überbewertet der andere, ein komisches Buch der dritte. Ein Auszug aus der Übersetzung von Hans Wollschläger:
– Wie wär’s, wenn wir unserem Freund mal ne kleine Aufwartung machten? sagt Joe.
– Wem? sag ich. Klar, der sitzt im John of God’s, total pleng, der arme Mann.
– Säuft sein eigenes Zeug, was? sagt Joe.
– Jau, sag ich, Whiskey und Wasser im Oberstübchen.
– Komm mit rum zu Barney Kiernan, sagt Joe. Ich muß unbedingt den Bürger sehen.
– Barney, unser Schätzchen? Wird gemacht, sag ich. Gibt’s sonst noch was schönes Neues, Joe?
– Kein bißchen, sagt Joe. Ich war oben im City Arms auf der Versammlung.
Rasch zeigt sich das Problem: Was ist das John of God’s, was das City Arms, von welchem Bürger spricht Joyce? Hier setzt die zur 100. Wiederkehr des ‘Bloomsday’ erschienene kommentierte Ausgabe ein.
Das Buch hat Lexikonformat, neben und unter dem Text des Romans werden die auftauchenden Orte, Institutionen, Personen, Ereignisse und Bezüge zur Mythologie erklärt und gelegentliche lateinische Zitate übersetzt. So erfährt man, dass das John of God’s das ‘House of St. John of God’ ist, eine private Nervenheilanstalt im Stillorgan Park, Barney Kiernan ein Pub in der Little Britain Street, es sich beim Bürger um einen Anhänger Michael Cusacks handelt, für den der wahre Bürger alle nicht-
Zu jedem Kapitel gibt es eine kurze Einführung mit einem Verweis auf den Bauplan des Werks und den Bezug zu Homers Odyssee. Die Wege der beiden Protagonisten lassen sich anhand von Karten nachvollziehen und man erfährt man mehr über das Dublin vor hundert Jahren als aus jedem Reiseführer. Glaubt man Joyce, so kann Dublin, sollte es einmal zerstört werden, nach der Lektüre des Romans komplett wiederaufgebaut werden.
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Flann O’BrienDer dritte PolizistErstveröffentlichung: 1967 (The Third Policeman) |
Der dritte Polizist, verfasst 1940, wurde erst 1967 aus dem Nachlass des Autors veröffentlicht. In dem Roman geht es um einen Raubmörder, der als Ich-
Neben Literaturfreunden sei das Werk Radfahrern empfohlen, denn der Autor kommt in ihm einem Mysterium in der Beziehung zwischen Mensch und Fahrrad auf die Spur, das ihm so wichtig war, dass er – nachdem er es aufgegeben hatte, einen Verleger für das Manuskript zu suchen – die diesbezüglichen Passagen 25 Jahre später in seinem letzten Roman Aus Dalkeys Archiven wiederverwertete.
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Flann O’BrienDas BarmenErstveröffentlichung: 1941 (An Béal Bocht) |
In den 30-er Jahren erschienen die Autobiografien von Tomás Ó Criomhthain, Peig Sayers und Maurice O’Sullivan, sie zeigten ungeahnte Wirkung: Sprachbegeisterte, Wissenschaftler, Zeitungen und Möchtegern-
Eine Beispiel: Um an viel Kindergeld zu kommen, steckt der Vater des Ich-
“Ich glaube nicht, dass es meinesgleichen jemals wieder geben wird!” sagt am Ende wie zuvor Tomás Ó Criomhthain der Erzähler.
An Béal Bocht wurde unter dem (wörtlich übersetzten) Titel The Poor Mouth von Patrick C. Power ins Englische übertragen, die englische Übersetzung von Harry Rowohlt ins Deutsche. Zunächst in der Bibliothek Suhrkamp als Das Barmen erschienen, änderte der Verlag den Titel später in Irischer Lebenslauf, bis das Buch im Verlag Kein & Aber erneut als Das Barmen erschien.
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Flann O’BrienDurstAudio-CD, ca. 45 Min |
Durst und andere dringende Dinge hieß ein Buch mit Geschichten und Stücken von Flann O’Brien, das im Frühjahr 1991 bei Haffmans erschien. Die Handlung des Titelstücks Durst resultiert aus dem Problem, nach der Sperrstunde weitertrinken zu wollen, obwohl sich ein Mitglied der ‘Garda Schikana’ Einlass erzwungen hat. Ein Problem, das der trickreich-
Harry Rowohlt, der Übersetzer des Einakters, liest es nicht vor, er spielt es seinen Hörern vor, live und gekonnt, wie kaum ein anderer. Ein Hörgenuss, den sich kein Pubgänger entgehen lassen sollte. Doch ein guter Rat, bevor Sie die CD auflegen: Stellen Sie etwas zum Trinken in Reichweite.
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Frank O’ConnorUnd freitags Fisch12 Erzählungen |
Aus einer vom Verlag zur Veröffentlichung freigegebenen Rezension des Spiegels: “Hergelaufene und Heruntergekommene, Säufer und Kirchgänger, Pfarrer, Mädchen, Matrosen und Mechaniker, kurz, das ‘wunderbare katholische Volk’ der Stadt Cork wird von dem Überzeugungs-
Seit 1958 erschienen im Diogenes Verlag unter dem Titel ‘Und freitags Fisch’ drei unterschiedliche Zusammenstellungen von Erzählungen des 1966 verstorbenen Autors; die hier vorliegende ist eine Neuauflage der Ausgabe von 1975.
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Sean O’FaolainTrinker und Träumer9 Erzählungen |
Barbara Plunkett, die hübsche junge Irin, die im Kiosk der Londoner National Gallery Postkarten verkauft, bringt mit ihrer herrlichen Unschuld zwei ältere Herren gehörig durcheinander. Charlie, ein irischer Möchtegerndraufgänger, wird weder die englischen Besatzer los noch das griechische Mädchen, das sich in ihn verliebt hat. Und bei seinem Besuch bei einem Jugendfreund muss sich ein Bischof, ob er will oder nicht, mit den Liebeshändeln der jungen Generation befassen.
Neun Erzählungen und neun verschiedene Aspekte der Liebe: unerwiderte, betrogene, treulose, triumphierende und verzichtende. Das Ergebnis einer jeden Geschichte ist, schrieb seinerzeit die Übersetzerin Elisabeth Schnack, das Ineinanderspielen von Scharfsinn, Humor und feiner Melancholie, das für O’Faolain so charakteristisch ist.
Die hier vorliegende Sammlung erschien erstmals 1969 unter dem Titel ‘Dividenden’ im Diogenes Verlag.
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Liam O’FlahertyErzählungen aus IrlandMit Zeichnungen von Gertrude Degenhardt 182 Seiten, Fadenheftung, grünes Leinen mit SU |
Es ist die wohl schönste Buchausgabe mit Erzählungen eines der bedeutendsten irischen Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, die bislang gedruckt wurde. In ihnen finden wir, ich zitiere die Übersetzerin Elisabeth Schnack, ‘die Zartheit und die Heftigkeit, ein verstecktes Pathos und einen scheinbar kühlen Realismus, einen oft skurrilen Humor und ein (nie sentimentales) Mitgefühl mit den Armen, Unterdrückten und Erniedrigten.’
“Die irische Atmosphäre mit ihrer bizarren Landschaft und unvergleichlichen Sonderlingen hatte es auch Gertrude Degenhard angetan”, schreibt die Herausgeberin. “Von mehreren Aufenthalten brachte sie Zeichnungen und Kaltnadel-
Liam O’Flaherty wurde 1896 auf der Großen Araninsel geboren und starb 1984 in Dublin.
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Liam O’FlahertySilbervogel16 Erzählungen |
Ein kräftiger junger Mann liegt mit einer seltsamen Krankheit namens Liebe danieder. Eine alte Dame muss als Jockey bei einem Pferderennen einspringen. Ein kleiner Junge träumt von seinem ersten Anzug. Das Leben eines Neugeborenen blüht auf, während dasjenige seines Großvaters schwindet. O’Flahertys Erzählungen haben das große Ganze des menschlichen Lebens im Blick genauso wie das unverwechselbare Detail. Diskretes Pathos und kühler Realismus, skurriler Humor und Mitgefühl mit den Unterdrückten verbinden sich in seinen Geschichten zu einer unverwechselbaren Mischung.
Die hier vorliegenden Erzählungen sind dem 1950 veröffentlichten Sammelband Two Lovely Beasts entnommen und erschienen in deutscher Übersetzung erstmals 1961 im Diogenes Verlag.
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Liam O’FlahertyZornige Grüne Insel (Hungersnot)Erstveröffentlichung: 1937 (Famine) |
Der Roman schildert die Auswirkungen der als Great Famine in die Geschichte eingegangenen Hungersnot auf drei Generationen der Familie Kilmartin, die in einem fiktiven ‘Schwarzen Tal’ im Westen Irlands siedeln. 1,1 Million Iren starben zwischen 1845 und 1850 an den Folgen des Kartoffelfäule, mehr als eine weitere Million sah sich zum Auswandern gezwungen. ‘Sein Meisterwerk’, sagt Peter Costello in der Encyclopaedia of Ireland zu Liam O’Flahertys historischen Roman, ‘eine grandiose Sympathiekundgebung für den ewigen Kampf des Menschen um Brot, Freiheit und Menschenwürde’ der Autor, Dichter und Literaturherausgeber William Plomer.
Der Roman wurde von Herbert Roch übersetzt und erschien zunächst unter den Titeln Das braune Segel (1942) und Das schwarze Tal (1952), ehe ihn der Diogenes-
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Elisabeth Schnack [Hg.]Irische Erzähler376 Seiten, Grünes Leinen, Fadenheftung |
Ein Evergreen, wahlweise in grünem Leinen oder grünen Leder. 1952 erschien die von Elisabeth Schnack herausgegebene und übersetzte Sammlung in der Bibliothek der Weltliteratur des Züricher Manesse Verlags und blieb in ungezählten Neuauflagen bis heute lieferbar. 20 Erzählungen von irischen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts – bis zu dem, was 1952 Gegenwart war. Heute weilt keiner der in dem Band vertretenen Autoren mehr unter den Lebenden, und die Herausgeberin starb, bis zuletzt als Übersetzerin und Autorin aktiv, 1993 im Alter von 93. Jahren.
Das Spektrum der Erzählungen erstreckt sich von der amüsanten Schwarzbrennerstory des frühen 19. Jahrhunderts bis zur bitteren Zeit des irischen Bürgerkriegs. “Die Bewohner der grünen Insel scheinen den Ursprüngen näher geblieben zu sein”, schrieb seinerzeit die Herausgeberin, “ob sie lachen oder ob sie weinen, geben sich heftiger den Leidenschaften hin, und ihr Humor ist meist wärmer als selbst der englische, noch unmittelbarer in seiner Kraft.” So hält sie uns Yeats und Joyce nebeneinander, James Stephens und George Moore, Elizabeth Bowen und Nora Hoult, Standish James O’Grady und Liam O’Flaherty, Daniel Corkery und Somerville & Ross, und nicht zu letzte Frank O’Connor und Seán O’Faolain. Mit einem Essay von Seán O’Faolain über die irische Kurzgeschichte endet der Band.
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Elisabeth Schnack [Hg.]Irische Weihnacht216 Seiten, Leinen mit SU, Fadenheftung |
Weihnachtsgeschichten aus Irland erscheinen Jahr für Jahr in neuen Sammlungen, doch (für mich) unübertroffen ist und bleibt Elisabeth Schnacks Anthologie Irische Weihnacht, 18 Erzählungen, erschienen 1977 im Verlag der Arche. Eine von ihnen ist Lord Dunsays Geschichte von dem durstigen Geist, den ein Dörfler – für die anderen Pub-
Vor mehr als dreißig Jahre erschienen, ist das Buch im Jahr 2010 auf dem Marktplatz von Amazon immer noch für wenig Geld erhältlich.