Skizzen und Notizen

Münzen erzählen Geschichten

Oengus, der Gott der Liebe

Es fällt schwer ihn auszumachen, den keltischen Vogel, der diese Münze ziert. Keltische Vögel waren beliebt auf irischen Münzen, so auch – Thies Andresen hat eine ausgesägt – auf der letzten Halfpenny-Münze von 1971. Mitunter muss man sich vorsehen, nicht in einen solchen Vogel verwandelt zu werden, zum Beispiel von Oengus, dem Gott der Liebe.

Oengus erblickte als Folge eines außerehelichen Abenteuers des Königs der Tuatha Dé Dannan das Licht der Welt. Tuatha Dé Dannan bedeutet Volk der Göttin, ein Volk, das, glaubt man den Autoren des Lebor Gabála Érenn, dem im 11. Jahrhundert zu Papier gebrachten Buch der Eroberungen Irlands, nach dem 9. vorchristlichen Jahrtausend Irland besiedelte. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurde dieses Buch von vielen Gelehrten nicht als Sagen-, sondern als Geschichtswerk betrachtet.

Zurück zu Oengus. Seine Küsse sollen so unvergleichlich sein, dass sie die Geküssten in wunderschöne Vögel verwandeln. Ihn selbst umgeben drei prachtvolle Exemplare; ob sie ein Produkt seine Küsse sind, konnte ich nicht herausfinden. Wollen Sie das Risiko eines Kusses auf sich nehmen, so finden Sie ihn im Bruig na Bóinne, dem Palast von Boyne im heutigen County Louth.

Der Vogel auf der Halfpenny-Münze, hier ausgesägt und in ein Schmuckstück verwandelt von Thies Andresen, hingegen hat uns seine besondere Kraft verraten: Wer die Münze besitzt oder als Schmuckstück am Hals trägt, hat stets genügend Geld in der Tasche, um nach Dublin zu fahren und über die Halfpenny Bridge zu wandern.

1 Penny
Halfpenny

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© 2005 Jürgen Kullmann