Irisches Tagebuch 2018

Shit happens!

 

Sonnabend, 4. Juni 2018

Brief von Eileen Óg an Nis Puk

Moin Nis — In Ros-a-Mhíl haben wir uns auf eine Fähre begeben und über den stürmischen Atlantik gewagt. Jan Hinrich sieht mir gerade über die Schulter fragt, ob ich da nicht ein bisschen übertreibe. Ich weiß gar nicht, was er meint, doch wie auch immer: gegen Mittag sind wir auf Inis Mór gelandet. Von dieser Insel aus hatte vor mehr als tausend Jahren mein Vorfahre Brendan-the-Navigator den Atlantik überquert und Amerika entdeckt. Da wir mit Amerika aber nichts im Sinn haben, bleiben wir vier Tage auf Inis Mór und fahren dann wieder ins Cottage zurück.

Cill Rónáin, © 2018 Hildegard Vogt-Kullmann

Ard Mhuris heißt das Haus in Cill Rónáin, in dem wir wohnen. Das ist der Hauptort der Insel, den man auch oben auf dem Foto sieht. Das Zimmer ist nicht besonders groß, doch Jan Hinrich und ich haben einen schönen Platz auf der Fensterbank, von wo aus man aufs Meer schauen kann. Jan Hinrich will heute Nacht aufpassen, ob Schwarzbrenner Poitín aufs Festland bringen. Schwarzbrenner und Schmuggler haben es ihm angetan.

Deine Huuslüüd waren schon zweimal auf Inis Mór, einmal im letzten Jahrtausend und einmal zu Beginn dieses Jahrhunderts, aber jeweils nur für einen Tag. Bis jetzt haben wir tolles Wetter, auch wenn einer meiner Mitreisenden Wolken für seine Fotos vermisst. Nachdem sie sich in unserem Leaba-agus-Bricfeasta (hier spricht man Irisch) eingerichtet hatten, sind deine Huuslüüd zum Dún Dúchatair, dem ‘schwarzen Fort’, gewandert. Das liegt ungefähr fünf Kilometer südlich von hier auf einem Berg. Da hatten sie Ruhe vor all den anderen Touristen, die sich vom Schiff aus in Pferdekarren zu einem Fort im Nordwesten kutschieren ließen, das Dun Aengus heißt. Das schwarze Fort, das auf einer von vielen Felszungen liegt, kannten sie von früher her. Im Westen fallen die Felsen steil ins Meer ab, und damit sie mal andere als immer nur langweilige Sonnenfotos machen konnten, hatte Booh! ihnen ein paar Nebelschwaden herbeigespukt.

Dún Dúchatair, © 2018 Jürgen Kullmann

Sehr steinig ist es da oben auf dem Berg, und zwischen den Steinplatten zwängen sich immer wieder Blumen durch. An einer Stelle steht zum Gedenken an einen jungen Mann, der vom Felsen gefallen ist, eine Bank. Solche Gedenkbänke haben wir auch schon auf anderen Inseln gesehen. Sie sind praktisch zum Rasten, doch dass bei den Menschen immer erst einer vom Felsen fallen muss, bevor jemand eine Bank aufstellt, ist doch etwas übertrieben.

*   *   *

There is a bar in Cill Rónáin
And whether you’re local or blow-in,
Come in for the food
For the music and mood,
For Watty’s will end all your moaning.

Wer das Gedicht verfasst hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ein berühmter Mensch, denn der Pub, der sich Tí Joe Watty’s nennt, macht Werbung damit. Auch deine beiden Huuslüüd sind dort reingegangen, haben vorher aber noch die mobile Tourist Craggy Island Tourist Info © 2018 Jürgen KullmannInfo von Craggy Island fotografiert, die auf der anderen Straßenseite steht. Craggy Island ist die Insel von dem berühmten Father Ted, aber das ist eine andere Geschichte.

Das ist alles für heute. Viele Grüße an Paddy-the-Sailor und das Kleine Volk von

Eileen Óg und Jan Hinrich”

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*  *  *  Fortsetzung folgt  *  *  *

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© 2019 Jürgen Kullmann – Letzte Bearbeitung: 15.10.19