Irisches Tagebuch 2019

Eine neue Chance für die Insel

 

Prolog

Nicht allzu glücklich endete vor einem Jahr unser letzter Irlandaufenthalt, wollen wir der Insel nun eine neue Chance geben? Was hat sie zu bieten, was andere Länder nicht haben? Um das Jahr 1250 erschien in Norwegen der Konungs skuggsjá, der Königsspiegel, in dem ein Vater seinem Sohn die Welt erklärt:

“… Irland aber ist fast das beste der Länder, soweit die Menschen wissen, wenn auch da kein Wein wächst. Es sind da viele Dinge, die wunderbar erscheinen dürften, einiges doch von der Art, dass das Land heiliger genannt werden darf als andere Länder wegen wunderbarer Dinge, die sich dort finden. Es liegt in einem Teil der Welt, der so gemäßigt ist mit Hitze und Kälte, dass es dort niemals allzu heiß oder allzu kalt wird. Übergroße Hitze wird dort niemals im Sommer schädlich oder übergroße Kälte im Winter, denn in allen Wintern weidet dort alles Vieh im Freien, Schafe wie Rinder, und die Männer gehen dort fast ohne Kleider, im Winter wie im Sommer. Und das Land ist so heilig vor anderen Ländern, dass dort kein giftiges Tier leben kann, weder Schlangen noch Kröten, und wenn sie aus anderen Länder dorthin gebracht werden, da sterben sie sofort, wenn sie mit der bloßen Erde oder Stein in Berührung kommen. […] Und das wird auch von Irland erzählt, dass die Menschen kaum von einem Eiland in dieser Größe so viele heilige Männer wissen wie dort.”

Dieser kleine Ausschnitt, vor achtzig Jahren aus dem Altnorwegischen übersetzt von Rudolf Meissner, ließ uns dem Land eine neue Chance geben. Und so begab es sich, dass wir am 25. Mai des Jahres MMXIX zur Insel der Heiligen aufbrachen.

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Sonnabend, 25. Mai 2019

Der Flieger ist pünktlich, kein Problem bei der Übernahme des Leihwagens. Am Schalter von Hertz ist nicht viel los. Das Auto ist ein ‘191’, ein in der ersten Hälfte des Jahres 2019 zugelassener Peugeot 2008 mit gerade einmal 3.500 Meilen auf dem Meilenzähler. Jawohl, Meilen, und die Geschwindigkeit wird digital in Meilen pro Stunde angezeigt. Hauptabnehmer für Rechtslenker ist das Vereinigte Königreich, in dem man stur an der Meile festhält, so dass dies die Grundkonfiguration sein dürfte. Vermutlich lässt sich die Maßeinheit irgendwo im Menü auf ‘Kilometer’ umstellen, doch finden wir den entsprechenden Punkt nicht. Ein Handbuch liegt, wie üblich, nicht bei.

Eileen Óg und Jan Hinrich im Paddy Coynes, © 2017 Jürgen KullmannAbgesehen von zwei Ehrenrunden auf zwei Roundabouts verfahren wir uns so gut wie gar nicht. Das sei ja mal ‘echt was Neues’, meint zu ihrem Freund Jan Hinrich unser lästerhaftes Reiseschaf Eileen Óg, das der geneigte Leser dieser Seiten aus früheren Berichten kennen wird. Beim Lidl in Galway geben wir € 128,29 für die Grundausstattung der ersten Woche aus. Ohne die vier Flaschen Wein und das Achterpack Guinness wären es 36 Euro weniger gewesen.

Gegen sechs Uhr sind wir in Tully Cross. Das Cottage ist für uns vorbereitet, alles soweit in Ordnung. Ein Teller mit Scones und ein Töpfchen Himbeermarmelade stehen auf dem Tisch, eine Kanne Milch im Kühlschrank. Unsere beiden Taschen werden vom Dachboden gehievt, dann richten wir uns ein. Gegen sieben Uhr ist alles hübsch und wir wandern über die Straße ins Paddy Coyne’s, mal sehen, ob man uns noch kennt und was es heute Abend zu essen gibt. Momentan sind alle Tische besetzt, doch gegen acht dürfte einer frei werden, meint Noels Sohn. Er werde dann an unsere Cottagetür klopfen. And so he did …

*  *  *  Fortsetzung folgt  *  *  *

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Reiseberichte Irland: Connemara 2019
© 2019 Jürgen Kullmann – Letzte Bearbeitung: 25.03.20